Nabelschnur – was passiert nach der Geburt?

Neun Monate lang versorgt die Nabelschnur das Baby, bei der Geburt wird sie durchschnitten. Aber was passiert nach dem Abnabeln bei Baby und Mutter? “Sie war wie ein dickes, elastisches Kabel. Ich habe echt Kraft gebraucht, um sie durchzuschneiden!” So romantisch beschrieb mein Mann, wie er die Nabelschnur nach der Geburt unserer Tochter durchschnitt. Uns beiden war wichtig, dass er das tat. Doch was passiert nach dem Abnabeln? Als Tom mich das vor wenigen Tagen beim Abendessen fragte – wie man so tut, wenn man gemütlich zusammensitzt – stellten wir fest, dass wir davon eigentlich keine Ahnung hatten. Fast neun Monate lang versorgt die Nabelschnur das Baby, dann wird sie durchgeschnitten – und was passiert nach dem Abnabeln im Baby? Fließt das Blut nach der Geburt weiter durch die Gefäße? Und wenn ja, warum verbluten wir daran nicht? Also mal wieder ein Grund, in den Untiefen des Internets zu recherchieren… Das Ergebnis überraschte mich!

 

 

Abbinden Nabelschnur

Früher verwendeten Ärzte eine Schnur, heute kommt die Nabelschnurklemme zum Einsatz. (Points in Nursing, 1910, Emily A. M. Stoney)

 

Auf der Seite der Mutter ist die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden. Die Plazenta entwickelt sich während der Schwangerschaft und liefert durch ihre Blutgefäße wichtige Nährstoffe und Sauerstoff für das Baby. Eine Viertel- bis Halbestunde nach der Geburt wird die Plazenta als Nachgeburt “geboren”, und so ist auch der mütterliche Rest der Nabelschnur geboren.

 

Plazenta

Schema der Plazenta und der Nabelschnur (links). Nabelarterien und Nabelvene verbinden den Blutkreislauf von Mutter und Baby. (Henry Vandyke CarterHenry Gray (1918) Anatomy of the Human Body Bartleby.com: Gray’s Anatomy, Tafel 39)

 

Um zu verstehen, was auf der Seite des Babys passiert, müssen wir uns die Nabelschnur genauer ansehen. Die Nabelschnur besteht anders als unser restlicher Körper aus Muskeln oder Bindegewebe, sondern aus einer besonderen gallertartigen Substanz, der sogenannten Wharton-Sulze. Eine Vene darin transportiert sauerstoffhaltiges Blut von der Mutter zum ungeborenen Baby, zwei Arterien bringen das Blut und die Abfallstoffe darin wieder zurück vom Baby zur Mutter. Sobald das Baby geboren ist und atmet, ist also der Zweck der Nabelschnur erfüllt. Die Arterien ziehen sich zusammen und der Blutfluss zur Mutter endet. Und während es im Inneren der Mutter angenehm warm ist, führt die Kälte der Welt “draußen” dazu, dass die Wharton-Sulze den Kollaps der Vene auslöst. Das Blut zirkuliert nun nur noch im Baby, selbst wenn die Nabelschnur nicht durchschnitten wird. (Es gibt auch einen Trend, die Lotus-Geburt, bei der die Nabelschnur nicht abgeklemmt wird und mit der Plazenta am Baby belassen wird. Nach drei bis zehn Tagen fällt die Nabelschnur von selbst ab.)

Reste der Vene und Arterien aus der Nabelschnur bleiben uns auch nach der Geburt erhalten, wenn auch in anderer Form. Die verschlossene Nabelschnurvene wird zu einem rundlichen Strang, dem “runden Leberband” oder Ligamentum teres hepatis. In Teilen der Nabelschnurarterie fließt weiterhin Blut: während sich der Bereich der Arterien nahe dem Nabel verschließen und zu zwei Bändern, den Ligamentum teres vesicae werden, versorgt der Rest der Arterien die Harnblase und Samenleiter.

Nachdem die Nabelschnur abfällt, begleitet uns der Nabel als Erinnerung an die Verbindung mit unserer Mutter. Und falls bei der Nabelschau der Nabelfussel ins Auge sticht – auch dessen Rätsel wurde gelöst. Aber mehr dazu ein anderes Mal, oder auf der Quelle allen Wissens, Wikipedia.

 

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