Alleine unter Onkologen – ECC 2015

ECC2015: innovativ, selbst bei den Sitzgelegenheiten

ECC2015: innovativ, selbst bei den Sitzgelegenheiten

Ein Königreich für einen Block! Dass Medizinkongresse anders sind als wissenschaftliche Konferenzen merke ich auf der ECCO 2015 spätestens auf der Suche nach einem Block Papier in der „Exhibition Hall“, wo Vertreter der Pharmaindustrie ihre Ware anpreisen. Während diese Hallen oft das Stiefkind wissenschaftlicher Konferenzen sind – typischerweise mit Kulis, Papier und billigen Goodies wie schwachen USB sticks ausgestattet – ist Halle B der Wiener Messe ein eindrucksvoller Beweis, was moderne Messestände so alles können. Jede größere Pharmafirma, die etwas auf sich hält, hat einen gratis Kaffeestand – und nein, nicht die billigen Selbstbedienungsmaschinen, sondern von guten Baristas bediente mit exzellentem Espresso. Manchmal gibt’s sogar cakepops dazu, wahlweise Vanille oder Schokolade (sehr gut!). Überall multi-media screens, gemütliche Sitzgelegenheiten und Kekse. Doch nirgendwo ein Block…

Mediziner brauchen nämlich kein Schreibmaterial, da alle Präsentationen einfach schnell mal per iPhone oder iPad fotografiert werden. Schnell, hände- und bäumeschonend, aber irgendwie seelenzerstörend, wenn alle 10 Sekunden die neusten Smartphones in die Höhe gehalten werden, um schnell mal auf den Auslöser zu drücken… Aber ich lasse mich überzeugen, schließlich ist Papier hier ja Mangelware.

Und an Sonntagen in Wien typischerweise schwer zu erwerben. Vor allem, wenn die Konferenz um 8 in der Früh beginnt – noch so ein Gegensatz zu Wissenschaftlern, die um diese Zeit vermutlich nicht zu einer Konferenz zu locken sind. Bei ECCO gibt es Sonntag früh um 7.50 bereits einen Strom powerwalkender MedizinerInnen zum Eingang, unterbrochen nur von unbeirrbaren Verkäufern in „historischen“ Mozartkostümen, die teure Tickets für billige Konzerte an den Mann bringen möchten. Wenn man die blanken Mienen der strömenden Masse beobachtet, vermutlich erfolglos. Zwei noch die Samstagnacht feiernde junge Männer mit Bierdosen in der Hand gesellen sich zu den Mozarts. Und rufen in wienerischem Denglisch in die anzug- und kostümtragende Menge: „Why soooo serious, people?“

Vielleicht, weil sie noch nicht die gratis Massagesessel in der „Zen-Ecke“ besucht haben…

Advertisements